Hundegesundheit im Herbst: Abwehrkräfte stärken

Immunsystem stärken mit Bewegung & Ernährung – was Hunden im Herbst guttut

Spaziergänge auf raschelndem Laub, Kastanien sammeln und danach eine heiße Kürbissuppe – lieben Sie es genauso wie wir, den Herbst gemeinsam mit Ihrem Hund zu genießen? Doch diese Jahreszeit hat auch ihre Herausforderungen – für den Körper unserer Vierbeiner genauso wie für unseren: rasche Temperaturwechsel, hohe Feuchtigkeit draußen und trockene Heizungsluft drinnen, ein höheres Aufkommen von Erregern und weniger Sonne. Besonders Hunde mit Vorerkrankungen sowie Seniorenhunde sind jetzt anfällig für Infektionen, Verletzungen und Beschwerden am Bewegungsapparat. Doch auch bei allen anderen Vierbeinern gilt: Im Herbst lohnt es sich, die Abwehrkräfte zu stärken. Tipps und spannende Hintergründe dazu liefern wir Ihnen in diesem Artikel.

Bewegung stärkt die Abwehr und den Stoffwechsel Ihres Hundes

Nichts geht über Bewegung: Moderate, regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung, regt den Lymphfluss an und aktiviert den Muskelstoffwechsel unserer Haustiere. Aber Achtung: Zu intensives Training, wie es etwa bei Sporthunden vorkommt, oder plötzlich ungewöhnlich hohe Belastung kann zeitweise zu einer Unterdrückung des Immunsystems kommen. Man nennt dies in der Medizin auch den „Open Window Effect“. In der Physiotherapie können wir mit Ihrem Hund Übungen durchführen, die dessen Koordination, Stoffwechsel und hormonelle Balance fördern, ohne dabei zu überfordern. Ein Beispiel aus unserer Praxis für Hunde-Physiotherapie: Das Unterwasserlaufband-Training – gelenkschonend, die Ausdauer verbessernd und perfekt für einen sanften Muskelaufbau – und sorgt dabei auch zur kalten Jahreszeit für ein angenehmes Training im wohltemperierten Wasser! Tipp für den Herbst mit Ihrem Hund: Spaziergänge an der frischen Luft kombiniert mit einem leichten, muskelstärkenden Bewegungsprogramm (etwa mit den Balancepads, Cavaletti), angepasst an dessen individuelle Kondition. Inspiration gefällig? Wir zeigen Ihnen gerne passende Übungen!

Die optimale Fütterung: das Fundament eines starken Immunsystems

Hochwertiges Eiweiß, essentielle Fettsäuren, Spurenelemente & Vitamine sind die Schlüssel zur Immunabwehr Ihres Hundes. Darüber hinaus schützen sogenannte Antioxidantien (Vitamin E, C, Selen, Zink) die Zellen vor oxidativem Stress, der wiederum Krankheitserregern leichtes Spiel bereitet. Denn diese warten im Herbst und Winter nicht nur für uns Menschen hinter jeder Ecke, sondern können auch unsere Hunde treffen. Folgende Futterzusätze können das Schutzsystem Ihres Hundes jetzt unterstützen:
    • pflanzliche Öle, die hohe Mengen an Vitamin E enthalten, etwa Distelöl oder Weizenkeimöl
    • Vitamin-C-reiche Nahrungsmittel für den Hundenapf: Sanddorn, Hagebutten oder frische Beeren
    • eine ausreichende Selenzufuhr ermöglichen Fisch, Eier, Innereien oder – als pflanzliche Alternative – Vollkorngetreide
Schon gewusst..? Vitamin C kann der Körper des Hundes generell selbst herstellen. In manchen Situationen oder bei erhöhtem Bedarf reicht die Eigenproduktion an Vitamin C beim Hund jedoch nicht aus. Eine zusätzliche Gabe über natürliche Lebensmittel wie oben beschrieben unterstützt das Immunsystem dann. Tipp: Achten Sie auf eine bedarfsgerechte Energiezufuhr für Ihren Hund – im Herbst darf die Kalorienmenge oft leicht ansteigen, wenn Ihr Hund mehr Energie zur Wärmeregulation benötigt. Bewegt Ihr Vierbeiner sich allerdings weniger als im Sommer, regulieren Sie die Futtermenge nach Absprache mit Ihrem Tierarzt oder Tier-Ernährungsberater etwas herunter oder geben Sie zwischendurch eher kalorienärmere Hunde-Snacks.

Omega-3-Fettsäuren für den Hund – Entzündungsschutz von innen

In unserem Blogartikel zum Thema „Futtermittelzusätze für die Gelenkgesundheit beim Hund“ sind wir bereits auf die wichtige Rolle von guten Fetten für die Hundegesundheit eingegangen. EPA & DHA (z. B. aus Lachsöl oder Algenöl) wirken entzündungshemmend, unterstützen die Haut, die Gelenke und sogar die Immunbalance Ihres Hundes. Studien zeigen zudem: Omega-3 reduziert die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe (Zytokine) im Blut. Damit sind sie auch in der kalten Jahreszeit wichtig, um das Abwehrsystem zu unterstützen und Erkrankungen entgegenzuwirken. Besonders empfehlenswert ist eine hohe Zufuhr von essentiellen Fettsäuren daher etwa für Hunde mit Arthrose oder Allergieneigung. Besprechen Sie erhebliche Änderungen am Futterplan jedoch stets mit einer Expertin für Tierernährung, etwa einer Tierernährungsberaterin oder Tierärztin. So vermeiden Sie, dass es zu Ungleichgewichten in der Futterzusammensetzung kommt, die wiederum Ihrem Hund schaden könnten. [Quelle: Fritsche KL. “Importance of Antioxidant Micronutrients in Immune Function and Health in Dogs.” J Am Vet Med Assoc, 2015.]

Abwehrkräfte des Hundes stärken: Darmgesundheit & Mikrobiom

Sicherlich haben Sie es schonmal gehört: Der Darm ist der „Sitz der Immunabwehr“. Das gilt tatsächlich auch für unsere Haustiere. Deswegen können wir Probiotika & Präbiotika auch nutzen, um die Barrierefunktion in deren Darm zu stärken und ein Schutzschild gegen Erkrankungen aufzubauen. Probiotika („gesunde“ Bakterien“) stabilisieren die Bakterienflora im Darm und verdrängen Erreger und krankmachende Bakterien. So unterstützen Sie nicht nur die Verdauung und Darmgesundheit des Hundes, sondern auch dessen Abwehrkräfte. Präbiotika dienen diesen guten Bakterien als Nährstoffe und fördern sie. Besonders spannend: Studien zeigen positive Effekte auf Immunmarker und auf die Hautgesundheit bei Hunden, die Probiotika und Präbiotika erhalten. Vor allem in folgenden Situationen sollten Sie Ihren Hund gut mit Probiotika versorgen:
    • Ihr Hund hat bereits Antibiotika erhalten oder erhält aktuell ein Antibiotikum
    • Ihr Hund hat häufiger Verdauungsbeschwerden
    • Ihr Hund hat generell einen eher empfindlichen Darm
Tipp: Ballaststoffe (z. B. in Flohsamenschalen, Inulin) sind eine hervorragende natürliche Unterstützung für die Darmgesundheit und damit auch für die Gesundheitsprophylaxe Ihres Hundes im Herbst und Winter. Auch Chicorée oder Topinambur sind hervorragende Quellen von Inulin für den Hund.

Vitamin D und Lichtmangel im Herbst

Die Tage werden kürzer. Das bedeutet auch für unsere Hunde: weniger UV-Strahlen und weniger Vitamin D Produktion. Da diese jedoch von Natur aus nicht so viel Vitamin D mithilfe von Sonnenstrahlung produzieren, ist eine Zufuhr über die Fütterung wichtig. Denn: Vitamin D in ausreichender Menge ist wichtig für den Kalziumhaushalt des Hundes. Es sorgt für starke, gesunde Knochen. Darüber hinaus ist Vitamin D unerlässlich für ein funktionierendes Immunsystem unserer Tiere. Ein Vitamin D Mangel beim Hund kann dessen Immunreaktionen schwächen, wenn er Krankheitserreger bekämpfen muss. Folgende Nahrungsmittel enthalten nennenswerte Mengen an Vitamin D und sind für Hunde geeignet:
    • Eigelb
    • Lebertran
    • Fische wie Lachs, Makrele, Heringe
Aber Achtung: Ein gut konzeptioniertes Hundefutter enthält bereits ausreichende Mengen an Vitamin D. Eine zu hohe Verabreichung kann auf Dauer zu einer Hypervitaminose beim Hund führen. Diese verursacht Verkalkungen in verschiedenen Organen. Eine zusätzliche Gabe sollte daher nur erfolgen, wenn Sie das Futter selbst zubereiten (kochen, barfen…) oder ein tierärztlich abgeklärter erhöhter Bedarf vorliegt. Tipp: Wenn Ihr Hund wiederholt zu Infekten neigt, lassen Sie einmal den Vitamin D Spiegel im Blut bestimmen. Sollte dieser zu niedrig sein, können Sie aktiv Vitamin D zur üblichen Fütterung zuführen, um das Immunsystem zu stabilisieren.

Hundegesundheit im Herbst: ergänzende Naturstoffe mit Potenzial

Sie setzen gerne auf die Kraft der Natur, wenn es darum geht, Ihren Hund im Herbst und Winter fit und gesund zu halten? Dann könnten die folgenden Zusätze spannend für Sie und Ihren Vierbeiner sein:
    • Beta-Glucane (z. B. aus Hefe): aktivieren Fresszellen (die ein Teil des Immunsystems sind und schädliche Substanzen/Erreger eliminieren), sollen immunstimulierend wirken
    • Kurkuma (Curcumin): antioxidativ, kann unterstützend für Leber & Gelenke sein und Studien belegen die antiinflammatorische Wirkung
    • Echinacea purpurea: begrenzt evidenzbasiert, aber eine Stärkung der zellulären Immunabwehr ist möglich
Solche pflanzlichen Zusätze eignen sich sehr gut als Gesundheits-Booster für den Futternapf. Wenn Sie Ihren Hund mit solcher Pflanzenpower in der rauen Jahreszeit unterstützen möchten, sprechen Sie auch dies bitte mit einer Fachperson ab, die hierfür ausgebildet wurde und Ihnen wertvolle Tipps an die Hand geben kann. Dies gilt insbesondere, wenn Ihr Hund Medikamente erhält, da es hier durchaus zu Wechselwirkungen kommen kann.

Fit durch Herbst und Winter: Wann Physiotherapie für den Hund sinnvoll ist

Wenn Sie Ihrem Hund im Herbst etwas Gutes tun wollen, lassen Sie ihm doch ein paar Physio-Einheiten zukommen. Eine Wohltat ist diese sicherlich immer – doch in manchen Situationen und für manche Hunde ist eine herbstliche Physiotherapie besonders sinnvoll. Dies gilt etwa für Seniorenhunde oder Hunde, die generell zu Gelenkschmerzen und steifen Gelenken neigen. Die kalte, nasse Jahreszeit verstärkt diese häufig. Wenn Sie also bemerkten, dass Ihr Hund etwa nach dem Schlafen besonders steif ist, nicht mehr gerne Treppen steigt oder den Herbstspaziergang insbesondere bei nasskaltem Wetter meidet: Kontaktieren Sie uns gerne für einen ersten Check-up des Bewegungsapparates oder für ein paar physiotherapeutische Einheiten. Gerade im Herbst benötigen manche Tiere länger, um sich nach einer Krankheit oder Operation zu erholen. In dem Fall arbeiten wir mit Ihnen einen individuellen Therapieplan aus, der Ihrem Hund schnell wieder auf die Beine hilft. Auch Muskelverspannungen durch die Kälte kommen aktuell häufiger vor. Die Physiotherapie, sei es mit Techniken wie Massagen, Wärmetherapien oder Hilfsmitteln wie dem Unterwasserlaufband, kann gerade jetzt im Herbst die Muskeln Ihres Hundes stärken, den Stoffwechsel und das Immunsystem anregen und durch angepasste Aktivität zu mehr Wohlbefinden führen. Klingt gut..? Dann vereinbaren Sie noch heute einen Termin für Ihren Hund. Wir freuen uns darauf, Sie durch den Herbst und Winter zu begleiten!

Verwendete Quellen für besonders Engagierte und Interessierte

    1. Fritsche KL. Importance of Antioxidant Micronutrients in Immune Function and Health in Dogs. J Am Vet Med Assoc, 2015.
    1. Schmitz & Suchodolski. Understanding the Canine Microbiome. Vet Clin North Am Small Anim Pract, 2016.
    1. Lauten SD. Nutritional Requirements of Dogs and Cats. Vet Clin North Am Small Anim Pract, 2013.
    1. Maruyama et al. Effects of Curcumin and β-Glucan on Canine Immune Response. J Vet Med Sci, 2018.
    1. Millis DL, Levine D. Canine Rehabilitation and Physical Therapy. Elsevier, 2014.
    1. Damsgaard CT et al. Omega-3 Fatty Acids and Immune Function. Front Nutr, 2022.